Heimat

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Projektdaten:

  • Titel: Heimat
  • Bündnispartner 1: Jahn-Realschule, Überkinger Straße 48, 70372 Stuttgart
  • Bündnispartner 2: ZEBRA, Zentrum der Evangelischen Jugend in Bad Cannstatt im Ludwig-Rasier-Haus, Wilhelmstraße 2, 70372 Stuttgart
  • Bündnispartner 3: fbk Baden-Württemberg e.V., Literatur im Unterricht, Heugasse 13, 73728 Esslingen
  • Autorenpate: Tilman Rau geboren 1971, lebt und arbeitet als freier Journalist, Dozent und Autor in Stuttgart. Nach seinem Studium der Politikwissenschaft, Amerikanistik und Neueren deutschen Literatur war er für mehrere Redaktionen in den Bereichen Radio, Zeitung und Online tätig. Seit 2002 leitet er literarische und journalistische Schreibwerkstätten, u.a. am Stuttgarter Literaturhaus im Rahmen der Fortbildung Literarisches Schreiben im Deutschunterricht. Außerdem arbeitet er bei der LKJ Baden-Württemberg als Bildungsreferent für das FSJ Kultur. 2007 erhielt Tilman Rau ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg.
  • Autorenpate: Iris Lemanczyk
  • Zeitraum: 01.05.2018 - 31.11.2018
  • Format: Modul 2 (halbjährig)
  • Ort: Stuttgart
  • Bundesland: Baden-Württemberg
 

Downloads und Presselinks zur Autorenpatenschaft Nr. 65


Über nachfolgende Links können Sie sich Pressemitteilungen anschauen und das Buch mit den Projektergebnissen nach Fertigstellung als PDF runterladen. Zur Ansicht wird ein PDF Reader benötigt.

Download des Buchs (PDF)

Autorenpatenschaft Nr. 65

Cover der Autorenpatenschaft Nr. 65

 

Projektbeschreibung

Der Begriff der „Heimat“ wird oft widersprüchlich gebraucht. „Ich bin Griechin“... „Ich fühle mich als Kroate“... „An erster Stelle sehe ich mich als Türkin“... Solche Sätze sind allgegenwärtig. Dahingehend befragt, ob die Schüler*innen sich vorstellen können, in einem dieser Länder zu leben, fallen die Antworten schon weniger eindeutig aus.

In der Werkstatt sollen die Schüler*innen zum Nachdenken, zum Erzählen und zum Zuhören angeregt werden. Grundfragen:

Was ist Heimat für mich selbst? Welches Verhältnis haben Menschen zur Heimat, die diese Heimat verlassen haben, ob nun freiwillig oder gezwungenermaßen? Welche Aspekte gehören zum Begriff Heimat? Ist Heimat ein Ort, der wirklich existiert? Ist Heimat ein Zustand oder ein Ziel?

Die Schüler*innen sollen sich in verschiedenen Formen und angeregt durch verschiedene Schreibanlässe mit dem Begriff Heimat auseinandersetzen. Assoziatives Schreiben; erzählendes Schreiben; Interviews; Beobachtung; Basteln Dabei kann durchaus ein Formen- und Genremix entstehen. In erster Stelle sollen zunächst einmal die Schreib- und Erzähllust angeregt werden.

 

Bilder

Für diese Autorenpatenschaft liegt uns leider kein digitales Bildmaterial vor. Schauen Sie doch mal in das entstandene Buch!

 

Texte der Autorenpatenschaft Nr. 65


Heimat ist, wo ich mich wohl fühle, wohin ich immer zurück möchte, wo ich mich sicher fühle und wo ich so akzeptiert werde, wie ich bin. Heimat heißt aber nicht, dass alles perfekt ist. Heimat kann überall sein und man kann mehr als eine haben. Heimat ist wichtig, denn dorthin kannst du dich immer zurückziehen. Heimat ist, wo du deine Freunde um dich hast, wo deine Familie ist. Nur hier gibt es die verrückte Jahn-Realschule mit meinen Lehrern, Freunden und Klassenkamera- den. Das ist für mich Heimat.


Für mich ist Heimat ein Gefühl, das man schwer bis gar nicht beschreiben kann, aber ich versuche es mal. Also, ich habe mehrere Heimaten, hier in Deutschland habe ich meine Freunde und einen Teil meiner Familie, in Kroatien ist der andere Teil. Heimat ist mir sehr wichtig, da es irgendein Gefühl in mir auslöst, das mich glücklich macht. In meiner zweiten Heimat gibt es Vieles, was es hier nicht gibt. Angefangen beim Essen. Ich finde das Essen in Kroatien schmeckt viel besser, selbst dann, wenn man das hier gleich zubereitet. In meiner zweiten Heimat, dort, im Ort kennt sich jeder.


Was geht in CC?

Also erst einmal, Cannstatt ist wohl einer der beliebtesten Checkpoints in Stuttgart. Für die, die nicht wissen, was Checkpoints sind, Checkpoints sind Treffpunkte, wo alle sich versammeln oder zusammen chillen. Jeder kennt Cannstatt und ist mit mindestens einer oder mehreren Personen dort befreundet oder kennt sie. Typische Cannstatter, vor ihnen musst du dich in Acht nehmen, denn jeder kleine Fehler kann zur Eskalation führen. Mit kleinen Fehlern ist zum Beispiel Mucken, also Stress schieben, gemeint. Niemand geht einfach ins Manna rein und verlangt nach einem Döner, denn Manna ist ein griechischer Lebensmittelladen, der alles Mögliche verkauft, von griechischen Spezialitäten bis zu verschiedenen Chips, aber eben kein Döner.

Du musst alle Checkpoints kennen, um dazuzugehören, zum Beispiel das Carré, den Kursaal, Burger King, Subway oder Plätze zum Chillen. In die Checkpoints kommst du nur rein, wenn man dich als Cannstatter kennt, oder du eine Connection hast. Du musst alle Checkpoints abchecken, um zu wissen, was geht.

Du läufst durch Cannstatt und jeder grüßt dich, entweder mit einer Umarmung oder mit einem Händedruck, aus der einen Ecke Murat, aus der anderen Mohammed. Im Carré musst du auf dich aufpassen, weil die Security dich gerne mal rauswirft. Das Carré ist ein beliebtes Einkaufszentrum in CC und auch einer der Checkpoints. Am meisten musst du dich vor Arabi und seinen Jungs in Acht nehmen, denn Stress mit Cannstattern nimmt nie ein gutes Ende. Vielleicht klingt das jetzt alles ein bisschen hart, aber CC ist meine Heimat und ich bin froh hier zu wohnen.


Checkpoints in BC

Es ist Montag! Es ist 14:45 Uhr. Zum Glück ist in fünf Mi-nuten Schule aus. Wir haben Dezember trotzdem hat es erst zweimal geschneit. Wir haben Chemie und Patrick hat es geschafft, beim Versuch die Gasflasche zu öffnen, das Gasventil abzureißen und von Frau Beez dann auch noch die Gasflasche auf den Fuß bekommen. Jetzt hat Patrick einen gebrochenen Fuß und ich Schule aus.

Aber dann fällt es mir wieder ein: Ich muss meinem neuen Nachbarn, Jeremi-Pascal, BC zeigen. Meine Eltern zwingen mich dazu, denn sie haben sich auf Anhieb mit seinen Eltern verstanden. Also lege ich meinen Schulranzen ab, trinke et- was, dann gehe ich dezent genervt rüber und klingle bei ihm. Als er nach gefühlten Jahrzehnten, die er braucht, um sich seine Schuhe und die Jacke anzuziehen, fertig ist, können wir Richtung Manna loslaufen.

Dazu müssen wir über den Mühlsteg. Schon geht es los: „(Mimimi) Warum ist die Sch... Brücke so steil? (Mimimi) Ich kann nicht mehr! (Mimimi). Lass mal Pause machen.“

Ich schnauze ihn genervt an: „Wo hast du denn deinen Abschluss gemacht? An der Akademimi?“

Er versteht den Spruch nicht, aber egal, witzig war’s trotzdem. Als wir am Manna angekommen sind, gehen wir rein und Jeremi-Pascal kauft eine Tüte Chips. Ich schiebe ihn schnell raus, bevor er bemerkt, dass es hier Wlan gibt. Sobald wir draußen sind nehme ich mir eine große Handvoll Chips und sage ihm: „Wichtigste Regel in BC: Wenn du dir Chips oder so kaufst, musst du sie teilen, ob du willst oder nicht.“

Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel laufen wir über die Marktstraße und begegnen fünf Hassans, 19 Ahmeds und 13 Alis und meiner kompletten Klasse – außer Patrick, versteht sich.

Im Carré verliere ich Jeremi-Pascal und er verläuft sich. Nachdem ich ihn wiedergefunden habe, will er leider noch nicht nach Hause. Ich gehe mit ihm Richtung Kurpark. Allerdings fängt es plötzlich an zu regnen. Ich sage Jeremi-Pascal, dass ich jetzt nach Hause gehe und ihm den Rest von BC an einem anderen Tag zeigen werde.


Was geht in CC?

CC steht für Cannstatt City!

Du warst bestimmt noch nicht in CC. Ich gebe dir ein paar Tipps, damit dir hier nichts passiert. Erst einmal sag ich dir ein paar Sachen, die für mich ganz normal sind. Wenn du am Wilhelmsplatz bist, triffst du immer jemanden, den du kennst. Es kann sogar eine Person aus deinem Dorf sein. Wenn du ein Bro oder ey hörst, reagiere nicht, denn jeder kann gemeint sein.

In meiner Schule ist es verboten Sonnenblumenkerne auf den Boden zu schmeißen, was aber trotzdem alle machen. Aber falls eine Lehrerin oder ein Lehrer vorbeikommt, mach einfach auf Engel.

Schlägereien sind auch verboten, aber nur so löst man die Streitereien. Ich würde dir aber empfehlen nicht zu viel zu stressen.

Neben der Schule gibt es das Manna, einen Laden, in dem du fast alles kaufen kannst. Aber wenn du dir etwas kaufst, solltest du unbedingt teilen. Sonst bist du ein falscher Freund, ein 31er. Mit Lehrerinnen und Lehrern solltest du immer alles teilen, selbst, wenn es etwas Kleines ist. Ich hab dir noch gar nicht gesagt, auf welche Schule ich gehe: Es ist die Jahn-Realschule.

In CC gibt es viele Checkpoints wie Burger King, Subway, Carré oder den Kursaal. In CC musst du echt aufpassen, jeder Fehler kann eine Schlägerei auslösen. Aber wenn du Connections hast, bist du gerettet. CC ist voller Stress, aber man kann trotzdem mit Freunden abhängen. Würde dir echt empfehlen hier zu leben, dann hast du viel Spaß!

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