Tanz der Texte

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Projektdaten:

  • Titel: Tanz der Texte
  • Bündnispartner 1: Queeres Jugendzentrum des FiPP e.V., Lützowstr. 28, 10785 Berlin
  • Bündnispartner 2: Satyr-Verlag, Auerstr. 25, 10249 Berlin
  • Bündnispartner 3: Friedrich-Bödecker-Kreis im Land Berlin e.V., Falckensteinstraße 34, 10997 Berlin
  • Autorenpate: Jayrôme C. Robinet, geboren als Frau 1977 in Frankreich, ist Lyriker, Spoken-Word-Künstler und Übersetzer. Zuletzt erschien von ihm „Das Licht ist weder gerecht noch ungerecht“. Jayrôme C. Robinet wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet.
    Er unterrichtet an der Alice Salomon Hochschule und lebt in Berlin. Seit 2020 schreibt er an der Universität der Künste Berlin an seiner Promotion zum Thema Queere Performance Poetry.
    In seinem Buch „Mein Weg von einer weißen Frau zu einem jungen Mann mit Migrationshintergrund“ erzählt er von seinem queeren Alltag und deckt auf, wie irrsinnig gesellschaftliche Wahrnehmungen und Zuordnungen oft sind.
  • Zeitraum: 01.01.2021 - 31.12.2021
  • Format: Modul 1 (ganzjährig)
  • Ort: Berlin
  • Bundesland: Berlin
 

Downloads und Presselinks zur Autorenpatenschaft Nr. 283


Über nachfolgende Links können Sie sich Pressemitteilungen anschauen und das Buch mit den Projektergebnissen nach Fertigstellung als PDF runterladen. Zur Ansicht wird ein PDF Reader benötigt.

Download des Buchs (PDF)

Autorenpatenschaft Nr. 283

Cover der Autorenpatenschaft Nr. 283

 

Projektbeschreibung

Jugendliche mit LBGTQ-Hintergrund erleben die sie umgebende Welt oft anders als die übrigen Altersgenossinnen und -genossen. Dies kann sowohl an der eigenen unterschiedlichen Perspektive liegen als auch an der Art, mit der Dritte gegenüber LBGTQ-Jugendlichen auftreten. Besondere Sichtweisen, Wünsche, Gesellschafts- und Zukunftsvisionen treffen auf Diskriminierungserfahrungen, Widerstände und Klischeevorstellungen. Vielfach entsteht der Wunsch die eigene Situation zu artikulieren und Erfahrungen zu verarbeiten. Für diese spannungsreiche, lustvolle und ernsthafte Erlebenswelt soll das Projekt „Tanz der Texte“ ein verbales Ventil schaffen.
Der Gender Aktivist Jayrome C. Robinet wird im Rahmen des Projektes Schreibwerkstäten in den Räumlichkeiten des Jugendnetzwerks Queeren Jugendzentrums durchführen. Junge Lesben, Schwule, Bi-, Trans*, Inter* und Queers zwischen 14 und 18 Jahren sind eingeladen, sich mit eigenen Ideen in das Schreibprojekt einzubringen.
Als Gäste könnten beispielsweise Autorinnen und Autoren aus den Bereichen Journalismus, Lyrik und Prosa in das Projekt eingebunden werden.

 

Bilder

Fotos: Pierre-Jerome Adjedj
Gemälde im Hintergrund "SMASH THE CIS-TEM" und "RESPECT MY PRONOUNS": Märy
 

Texte der Autorenpatenschaft Nr. 283


Ich renne, doch ich komm’ nicht an

Ich bin ein Gefühlsfühler
Freude, Glück, das macht mich verrückt
Du bist ein Gedankendenker
Lass mich allein – sollst dennoch bei mir sein
Wir sind zusammen Momentemacher
Das Licht, es glüht, doch es wird schwächer
So viele Oberflächlichkeiten
Ich will dich. Nicht mehr. Begleiten
Du bist ein Gefühlsfühler
Traurige Angst, du lässt mich nicht ganz
Ich bin ein Gedankendenker
Tot, gar sehend, blind
Das Blau ist grün
Es ist Winter mitten im heißen Sommer
Wir sind zusammen Momentemacher
Lass mich allein – bei dir will ich sein

Emma Drewfs und Tobias Lukas Gerber


Woher komme ich?

Ich komme aus Schlafsäcken. Aus Therm-a-Rest und eBay Kleinanzeigen. Ich komme aus den Wohnungen ohne Zentralheizung, aus verbranntem Staub und Kamingeruch. Ich komme aus der Immanuelkirchstraße 24, dem muchtigen Hinterhaus im makellosen Winskiez. Aus den Feuerkäfern vor der blauen Tür, die meine besten Freunde waren, und dem Nachbarsjungen, der bei uns immer Süßigkeiten klaute, weil’s bei ihm keine gab. Ich bin aus den Ratten im Hinterhof, die nie ein Problem mit Dreck und Müll hatten und die wahrscheinlich spucken beim Sprechen, aus dem Wein an der Fassade, der alle Bewohner*innen glücklich machte und trotzdem in den Wurzeln zerstört wurde. So habe ich mich auch immer gefühlt. Ich bin aus krummen Weihnachtsbäumen, die am 24. niemand anderes haben wollte. Aus Besuchen der Weihnachtsmesse, obwohl alle die Kirche ablehnen – aus der Verwirrung, was das Christkind ist.
Ich bin aus ambitionierten Brettspielrunden und Abenden, die mit Streiten enden, aus Hannes gegen Bianca.
Ich komme aus „Religion ist das Opium des Volkes“ und „Irgendwas ist da oben“. Aus „Maria durch ein Dornwald ging“ und dem Lied vom Fischeklauen.
Ich komme aus Berlin, aber auch aus Seminte und Mamaliga cu Brinsa.
Früher fand ich es immer super, wenn ich den anderen Kindern beibringen musste, wie man Seminte, also Sonnenblumenkerne, knackt. Das gab mir das Gefühl, immer noch Rumänin zu sein, dabei konnte ich kaum mehr Rumänisch sprechen.
Aber vor allem komme ich aus kritischem Hinterfragen und keine Kritik annehmen können. Aus Konfliktfreudigkeit und Unehrlichkeit, aus Stärke und Verletztheit, aus weinen, weinen, weinen.
Ich habe schon immer viel geweint, vor allem, wenn ich wütend war, dabei tat mir mein kleiner Bruder am meisten leid.
Ich komme aus seiner Gleichgültigkeit.
Ich komme aus meiner Sorge.
Ich komme aus der Frage: Woher komme ich?

Mara Herlo
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