Oranienburger Gesichter. Porträts und Selbstporträts

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Projektdaten:

  • Titel: Oranienburger Gesichter. Porträts und Selbstporträts
  • Bündnispartner 1: Torhorst-Gesamtschule, Walther-Bothe-Str. 30, 16515 Oranienburg
  • Bündnispartner 2: Stadtbibliothek, Schlossplatz 2, 16515 Oranienburg
  • Bündnispartner 3: Friedrich-Bödecker-Kreis im Land Brandenburg e.V. , Fliederweg 1 e, 15344 Strausberg
  • Autorenpate: Johannes Groschupf
  • Zeitraum: 01.05.2019 - 31.12.2019
  • Format: Modul 2 (halbjährig)
  • Ort: Oranienburg
  • Bundesland: Brandenburg
 

Downloads und Presselinks zur Autorenpatenschaft Nr. 109


Über nachfolgende Links können Sie sich Pressemitteilungen anschauen und das Buch mit den Projektergebnissen nach Fertigstellung als PDF runterladen. Zur Ansicht wird ein PDF Reader benötigt.

Presse

  • Folgt

Download des Buchs (PDF)

Autorenpatenschaft Nr. 109

Cover der Autorenpatenschaft Nr. 109

 

Projektbeschreibung

Thema der diesjährigen Autorenpatenschaft lautet „Oranienburger Gesichter. Porträts und Selbstporträts“. Die Jugend ist eine Zeit der Selbstfindung, oft auch der Fremdheit mit sich selbst und anderen, die sich mittelbar oder unmittelbar auf das eigene Gesicht bezieht. In der Auseinandersetzung mit dem eigenen Gesicht und den Gesichtern der anderen entstehen Texte zu den Themenfeldern: angesehen werden, Ansehen erlangen, Gesicht zeigen, das Gesicht verlieren, Schönheit und Attraktion, Persönlichkeit, Menschenkenntnis, sichtbare und verborgene Emotionen.

In verschiedenen Schreibanregungen soll die Freude am sprachlichen Selbstausdruck gefördert werden. Die im vergangenen Jahr etablierten Schreibspiele und Schreibexperimente dienen als gemeinsames Fundament, auf dem der Umgang mit Schrift und Sprache weiter trainiert und verfeinert wird.

In der Zusammenarbeit dem Fotografen Mike Auerbach wird das Verständnis von Schönheit, Fremd- und Eigenwahrnehmung, Schminke/ Make-up, visueller Selfie-Kultur erweitert. Mike Auerbach bietet den Jugendlichen eine Einführung ins fotografische Porträt an: In einem mobilen Fotostudio können sie gegenseitig Porträts voneinander machen.

Exkursionen wären möglich: zu einer Maskenbildnerin am Theater (Schminken und Maske); in die Gemäldegalerie Berlin (Gruppenführung zum Thema Porträts/ Selbstporträts - ist angefragt), in den Tierpark Oranienburg/ den Zoologischen Garten/ den Tierpark Berlin (Porträts von Tieren).

Am Ende des Jahres wird wieder ein gemeinsam erarbeitetes Buch erscheinen, das die Texte der Jugendlichen und Fotos vereint. Auf einer Abschlussveranstaltung wird das Buch präsentiert.

Im Vorlauf übt die Gruppe intensiv den Auftritt und das Lesen vor Publikum – eine wichtige Kompetenz auch für Schule und berufliche Orientierung. Das gemeinsame Ziel, im Laufe des halben Jahres ein Buch zu verwirklichen, ist eine starke Motivation. Der Stolz auf das Werk reicht weit über die Zeit der Autorenpatenschaft hinaus.

 

Bilder

Fotos: Mike Auerbach

 

Texte der Autorenpatenschaft Nr. 109


Die wiedergefundene Maske

Ihre Augen glänzen leicht, als habe sie Tränen in den Augen. In solchen Momenten wüsste ich gerne, worüber sie gerade nachdenkt und ob sie überhaupt nachdenkt und nicht nur ihrer Musik lauscht. Vielleicht mustern ihre hellblauen Augen mit dunklen Sprengseln am Rand auch nur die Umgebung, an der sie gerade vorbeifährt. Ja, eventuell zeichnet sie im Kopf auch die Umrisse mancher Gegenstände und Pflanzen nach, so wie ich es mache, wenn wir für kurze Zeit anhalten. Vielleicht will sie sich auch merken, wie die Sachen aussehen, um sie dann später mit ihrem Druckbleistift auf Papier zu bringen.

Sie fängt an zu lächeln, als sie auf ihr Handy blickt, anscheinend erfreut sie irgendwas. Es macht mich traurig zu wissen, dass nicht ich der Grund ihrer plötzlichen Freude bin, die jedoch dem Anschein nach auch wieder nach kurzer Zeit verschwindet.

Meine Augen mustern ihr Gesicht weiter. Sie hat längere Wimpern als ich, wodurch ihre Augen gut betont werden, aber diese Wimpern lassen ihr Gesicht auch verschlossener wirken. Vielleicht liegt es an ihrem ruhigen Blick oder den Mundwinkeln, die sich nur manchmal nach oben bewegen. Ich betrachte ihre kleine Nase. Ihr Nasenrücken ist glatt und hat keinen leichten Buckel, wie es beispielsweise in meiner Familie üblich ist. Nach vorne hin geht ihre Nase leicht nach oben, und da ihre Nase dazu noch recht klein ist, sieht sie aus wie eine Bilderbuchstupsnase. Ihre Lippen sehen weich und geschmeidig aus, nur kleine Risse zieren ihre Unterlippe, welche, wenn sie einen neutralen Gesichtsausdruck hat, auch etwas voller als ihre Oberlippe ist. Ebenso gehen ihre Lippen nicht wirklich in die Länge, sondern sind eher kurz und knapp, was jedoch perfekt zu ihrem rundlichen Gesicht passt. Durch ihre blond-braunen Haare, die sie meistens zu einem Zopf zusammenbindet, in dem jedoch immer eine lange Strähne auf der rechten Seite heraushängt, wirkt sie äußerlich auf andere und auch auf mich liebenswert und einfach bezaubernd. Wäre da nicht ihr gefühlt immer bekümmerter und freudloser Gesichtsausdruck.

Früher war das anders. Ich weiß noch genau, wie ich sie kennengelernt habe und wie ihr Gesicht damals aussah. Es gab kaum deutlich sichtbare Unterschiede, das Einzige, was heute anders ist: Sie lachte damals mehr. Gott, ihr Lachen, wie ich es manchmal vermisse. Es klang so lieblich, auch wenn es nicht leise war. Es hatte Charme und auch, wenn man nicht immer den Grund kannte für ihre Freude, musste man mitlachen, da es einfach ansteckend war. Doch mit der Zeit hatte sie immer mehr ihre Maske wiedergefunden, welche sie damals, als wir uns näher kennenlernten, immer mehr absetzte. Ich kenne nicht die genaue Ursache, doch manchmal gebe ich mir die Schuld dafür, da ich einen schwerwiegenden Fehler gemacht habe. Ich gab ihr das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, obwohl ich doch ihre Nähe und die Geborgenheit, die von ihr aus ausging, so sehr brauchte und schätzte.

Das ist lange her. Ich probiere noch immer, das zu reparieren, was ich damals beschädigt habe. Aber wie repariert man eine einst perfekte und auf Vertrauen aufgebaute Freundschaft? Wie soll ich etwas reparieren, was sich über Jahre aufgebaut hatte und was in wenigen Wochen fast komplett von mir zugrunde gerichtet wurde? Wie sagt man so schön, Vertrauen ist eine jahrelange Arbeit, welche jedoch nur Sekunden braucht, um zerstört zu werden.

Jasmin


Reparaturen

Luftmangel. Das Gefühl zu ersticken überkommt mich. Mit ausgestreckten Gliedern liege ich auf dem Rücken, wie ein Seestern. Ein leises Knacken nehme ich wahr neben der lauten Musik, die durch meine Kopfhörer dröhnt. Schmerzend schlägt mein Herz in der Brust, deswegen probiere ich, ruhig zu atmen. Dabei sinkt mein Brustkorb langsam und dehnt sich wieder aus. Doch ich kann mich nicht auf das Atmen konzentrieren, dafür schreien die Erinnerungen zu laut. Sie schreien mich an. Lauter als meine Musik.

Abermals füllen sich meine Augen mit Tränen, trotz meines Wunsches, es nicht mehr geschehen zu lassen. Mein Brustkorb beginnt wieder zu zittern. Ich lege meine Hand auf meinen Mund, um mir die Geräusche zu verbieten. Ich darf nicht weinen. Mein Hals fängt an zu kratzen und zu brennen. Ich frage mich, weshalb ich es nicht einfach ignorieren kann, wie sonst immer alles. Warum kann ich nicht entfliehen?

Ich kneife meine Augen zu, im Wissen, meine Maske zu verlieren. Meine Wangen werden nass und die Tränen bahnen sich ihren Weg mein Gesicht hinab. Langsam lege ich mich auf die Seite. Ziehe mein Kissen näher an mich und verstecke mein zerbrochenes Gesicht. Ein Lächeln öffnet sich auf meiner zersplitterten Maske. Man kann alles reparieren.

Helena


Abadon

Manchmal wünsche ich mir, ich wäre frei. Wie ein Vogel einfach hoch in die Lüfte zu steigen und alles hinter mir lassen. In neue Gebiete aufzubrechen, wo ich vorher noch nie gewesen bin, neue Leute, neue Freunde zu finden und neue Chancen zu haben.

Einfach mal wegkommen von dem Stress meiner Familie, meiner Freunde, meiner selbst. Ein Neuanfang. Das will ich, neue Sachen ausprobieren. Beispielsweise angeln oder verreisen in ferne Länder, am liebsten allein. Eine neue Sprache lernen, mir unbekannte Gebräuche, Dekorationen ausprobieren. Einen Einblick ins Spirituelle finden.

Ich wünsche mir ein Wohlempfinden, ohne meine Gedanken von schlechten Taten anderer trüben zu lassen. Eine Auszeit. Eine Auszeit von all denen, die mir erzählt haben, wie wichtig es ist, einen Plan zu haben für die Zukunft, eine Auszeit von allen, die mich unnötig verärgert oder gestresst haben, von allen, die mich verletzt und ausgenutzt haben.

Ich kann mich nicht immer um eure Probleme kümmern, das geht einfach nicht. Ich brauche Freiheit von alldem. Zeit für mich selbst, Zeit für mich, um zu heilen.

Laura Sophie

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