Geschichtenlöffel für die Buchstabensuppe

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Projektdaten:

  • Titel: Geschichtenlöffel für die Buchstabensuppe
  • Bündnispartner 1: Jugendpflege Stadt Münzenberg, Hauptstr. 22, 35516 Münzenberg
  • Bündnispartner 2: Johanniterschule Münzenberg-Gambach, Grundschule des Wetteraukreises, Schulstraße 11, 35516 Münzenberg-Gambach
  • Bündnispartner 3: Friedrich-Bödecker-Kreis in Hessen e. V., Turmstr. 4, 35578 Wetzlar
  • Autorenpate: Martin Ebbertz, geboren 1962 in Aachen, aufgewachsen in Prüm (Eifel), studierte in Freiburg, Münster und Frankfurt am Main Germanistik, Geschichte und Philosophie. Nebenbei war er Fensterputzer, Mitarbeiter eines ländlichen Kulturamts (als Vermessungsgehilfe und Grenzsteinsetzer), Flohmarkthändler, Antiquar und Mitherausgeber der Literaturzeitschrift "Am Erker". In Münster trat er auf mit dem literarisch-musikalischen Programm "Gegen den Strich", in Frankfurt überzeugte und gewann er im Wettbewerb "Jeder darf mal" der Romanfabrik - einem Vorläufer des Poetry-Slams. Nach einem Jahr als Lehrer in Frankreich lebte er als freier Schriftsteller zunächst in Frankfurt, dann fünf Jahre in Thessaloniki und 15 Jahre in Boppard am Rhein. Seit 2015 lebt und arbeitet er wieder in Frankfurt. Martin Ebbertz schreibt für Kinder und Erwachsene.
  • Zeitraum: 08.02.2019 - 21.09.2019
  • Format: Modul 2 (halbjährig)
  • Ort: Münzenberg
  • Bundesland: Hessen
 

Downloads und Presselinks zur Autorenpatenschaft Nr. 102


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Presse

  • Folgt

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Autorenpatenschaft Nr. 102

Cover der Autorenpatenschaft Nr. 102

 

Projektbeschreibung

Onkel Theo, ein ausgesprochener Fachmann für Quatsch-Geschichten, lädt die Workshopteilnehmer*innen auf sein grünes Sofa ein. Mit ihm als Reiseleiter geht es vom grünen Sofa fort in die Welt der Buchstaben und Geschichten, wo schon Herr Jaromir , ein guter Freund von Onkel Theo, wartet. Beiden gemeinsam ist die Vorliebe für Genuss – kulinarisch und literarisch. Kein Wunder, dass sie sofort mit den Kindern anfangen, Ideen für reichlich Nachschub beider Genüsse zu entwickeln.

Damit aus Gedanken Geschichten und aus Gemüse Gerichte werden, laden Onkel Theo und Herr Jaromir die Workshopteilnehmer*innen in ihre „Geschichten-Küche“ im „Geschichten-Haus“ ein. In ihr lernen die Kinder die vielfältigen Möglichkeiten, sich literarisch auszudrücken, spielerisch kennen. Da gibt es sonderbare Töpfe. Sie tragen Schilder mit Aufschriften wie "Märchen", "Fabel" oder "Gedicht". Was springt aus ihnen heraus, wenn man die Deckel öffnet?

Ein Kochbuch liegt aufgeschlagen neben dem Herd. "Einleitung", steht da geschrieben, "Konflikt" und "Finale". Wie wollen wir kochen, vielleicht nach diesem Rezept? Oder halten wir uns an das Geheimrezept für Geschichten (laut Onkel Theo rühren in der Buchstabensuppe)? Wir werden sehen: Die Möglichkeiten in der phantastischen Geschichten-Küche sind unbegrenzt, erlaubt ist, was Spaß macht. Im Vorratsschrank entdecken wir kleine und große Figuren. Da gibt es zum Beispiel einen Fuchs, der steht auf den Hinterbeinen, trägt eine Tunika mit Gugel darüber, hat einen Köcher auf dem Rücken und Pfeil und Bogen in den Vorderpfoten. Sieht er nicht aus wie Robin Hood? Und das Männchen dahinter, aus Holz, mit einer langen Nase - ist das Pinocchio?

Links oben das Gewürzregal: Eine Prise Phantasie hier, ein Hauch Spannung da, etwas Wortspiel und ein bisschen Witz je nach Geschmack und schon nimmt eine Zwergen-Erzählung, ein Tier-Märchen oder ein€ verrücktes Gedicht Gestalt an.

Neben der Küche befindet sich das Esszimmer. Das ist ein großer Saal, es gibt einen Tisch und Stühle, ansonsten aber ist er leer. Nichts soll im Raum den Gedankenfluss ablenken, Ideen hindern sich zu entwickeln. Große Fenster lassen helles Sonnenlicht herein und neugierige Blicke heraus. Die Gedanken können durch die Landschaft um das Haus herum Spazieren gehen. Was wird hier serviert? Es liegt in unserer Hand!

Zur Anregung verteilt Herr Jaromir schon mal Teebeutel und fragt: „Welche Geschichten könnte uns der Teebeutel erzählen?“ Es folgt ein Teller mit Löcher-Käse. Ob die wohl eine Maus hinterlassen hat? Der Frage nach eben diesen Löchern gehen wir in einer Käserei ganz genau auf den Grund. Denn mit Herrn Jaromir geht es auch außerhalb der „Geschichten-Küche“ auf „Entdeckungsreise“, Zum Beispiel in die Hungener Käsescheune . Dort suchen wir nach den Lab-Wichteln oder forschen nach dem geheimnisvollen Käsemonster. Der dicken, gemütlichen Malwine spüren wir auf dem Erdbeerhof nach. Vielleicht treffen wir in Begleitung des Herrn Jaromir dann noch den dicken Herrn Fuchs in seinem Zuhause, einem Wohnwagen. Und wer weiß, am Ende lädt Herr Fuchs seine jungen Besucherinnen und Besucher nicht nur auf ein paar Quatschgeschichten ein, sondern spendiert sogar einen Becher kühlen, frischen Gänsewein(s).

Das ist der richtige Zeitpunkt, sich auszuruhen. Am besten setzen wir uns dazu auf eine Holzbank und lassen nebst den Beinen unsere Seelen baumeln und blicken in den blauen Himmel. Da gibt es in der Wetterau viele wolligweiche Wolkenschafe zu sehen. Kein Hochhaus verstellt den Blick. Ihre irdischen Gegenstücke bei der Schäferei Schmid geben Anlass für viele Fragen, die in Geschichten beantwortet werden können. Wohin hat sich das Lamm verirrt? Wie lebte ein Gemeindeschäfer früher? Wie erkennt ein Mutterschaf eigentlich sein Lämmchen?

Die oben beschriebene „Geschichten-Küche“ ist ein kindgerechter Ort der Phantasie. In der Realität werden die Veranstaltungsorte abwechselnd die Räume der städtischen Jugendpflege in einem Container sowie die Johanniterschule Gambach sein. In der Schulküche kochen wir Buchstabensuppe (echte!) und beschließen gemeinsam, welche Lieblingsgerichte der Teilnehmer*innen wir zubereiten wollen. Das Thema Essen ist bewusst gewählt für die Reise der Workshopteilnehmer*innen mit Onkel Theo und Herrn Jaromir. Denn Essen ist mehr als satt werden. Es ist kein Zufall, dass sich Erwachsene nostalgisch an Geschmäcker der Kindheit erinnern. Essen kann so viel bedeuten: Geborgenheit, Lust, Vergnügen, Gemeinschaft, Kommunikation, Heimat, Genuss, Entdeckung...

Inhaltlich soll in diesem Modul die Bedeutung von Essen in Bezug auf Heimat einen Schwerpunkt bilden. Die Teilnehmer*innen forschen nach (Heimat-)Gefühlen, Erinnerungen, Erfahrungen, die bestimmte Gerichte und Gerüche auslösen. Alles, was Menschen je erleben, ist mit Gerüchen und Geschmäckern verbunden. Ein einziger Duft, ein bestimmter Geschmack können eine Flut von Erinnerungen zur Folge haben. Düfte und Geschmäcker vermögen Gefühle zu wecken, uns zu trösten oder aufzuregen, zu begeistern oder zu beruhigen. All dem wollen wir in dieser literarisch-kulinarischen Werkstatt nachspüren.

In der Schreibwerkstatt werden die Teilnehmer das zum Geschichtenschreiben nötige Handwerkszeug spielerisch erarbeiten. Anregungen und Inspirationen für das literarische Schaffen holen sich die Nachwuchsautor*innen bei Ausflügen. Als Schreib-Detektive bekommen sie vor den Exkursionen konkrete Arbeitsaufträge, die die Grundlage für die Umsetzung der erlernten Schreibtechniken sind. Neben dem literarischen Teil beinhaltet das Konzept auch einen sehr praktischen Teil. Gemeinsam mit ihren Müttern und/oder Vätern tauchen die Kinder unterschiedlicher Herkunft ein in die Heimat- und Lieblings-Gerichte der jeweils anderen Teilnehmer*innen. Und zwar wortwörtlich in der Küche. Es duftet nach Kreuzkümmel, Koriander, Zimt und Apfelkompott. Am Ende sitzen alle gemeinsam zu Tisch und verkosten die entstandenen Leckereien.

Noch am Esstisch kommen Erinnerungen, nehmen Erzählungen ihren Anfang: „Wenn ich Zitronen sehe, muss ich an meine Oma denken. Sobald ich an der wachsigen Schale reibe, steigt mir ein zartherber Zitronenduft in die Nase und in meinem Kopf habe ich Bilder von Oma in ihrem dunkelblauen Kleid und der großen weißgrün karierten Schürze, die mir in den Ferien jeden Abend Zitronen ausgepresst hat für meinen Tee.“

Aus den Texten entsteht ein Buch, das wir (mit einem Augenzwinkern) Kochbuch nennen. Natürlich sind Rezepte für die selbst gekochten und selbst probierten Gerichte darin enthalten. Vor allem aber enthält es die selbst verfassten Geschichten und Gedichte, je nach Stimmung ernst oder "Kräuterquatsch mit Grüner Soße".

 

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Texte der Autorenpatenschaft Nr. 102


Das Zähneputzen I

Wie ihr wisst, putzt man sich jeden Morgen und Abend die Zähne. Wenn man höchst sauber ist, auch jeden Mittag. Aber glaubt bloß nicht, dass das schon immer so war! Denn vor 50 Jahren nahm man erst die Bürste und hielt sie stundenlang unter heißes Wasser. Warum, wollt ihr wissen? Also, wenn man Abends, wenn es schon kühl war, von der Arbeit kam, war man natürlich ganz durchgefroren. Da war was Warmes an den Zähnen nur gut, kann ich euch sagen! Zum Putzen stellte man sich auf den Tisch und rief drei mal: „Ich putze Zähne! Ich putze Zähne! Ich putze Zähne!“

Weshalb?

Damit niemand kam und einem die Zahnbürste aus dem Mund nahm. Vor 50 Jahren lief nämlich jeder mit einer Zahnbürste im Mund herum. Wenn man Zähne putzen wollte, nahm man jemand anders die Zahnbürste einfach aus dem Mund. Wenn aber alle wussten, dass man gerade die Zähne putzte, machte das keiner. Schließlich wollte niemand jemandem die Zahnbürste in den Rachen stoßen.

Zum Morgenszähneputzen standen die Leute schon um 5 Uhr in der Früh auf. Zum Abendszähneputzen begannen die Leute schon am Nachmittag. Schließlich mussten sie noch heißes Wasser drüber laufen lassen. Aber das machten meistens die Frauen. Da die Männer bei der Arbeit waren, war das damals die Frauenarbeit. Weil so kaum ein Mensch Zeit zum Essen hatte, aßen sie nicht gleichzeitig. Tja, so war das vor 50 Jahren.

Lotta Andres, 10 Jahre


Polly auf dem Bauernhof

So sieht Polly aus: Polly hat einen Schwanz wie ein Esel, Ohren wie ein Hase, eine Nase wie ein Tiger, eine Fellfarbe wie ein Hai mit Punkten, Beine wie ein Elefant, Augen wie eine Katze, Körper wie eine Krake, Mund wie ein Pferd, Hals wie eine Giraffe, Krallen wie ein Schwein, Finger und Zehen wie eine Fliege, Haare wie ein Leopard, Kopf wie ein Vogel.

Als die Kinder mit Polli auf dem Bauernhof ankamen, fragte Polly: Wo sind wir?

Die Kinder sagten: auf einem Bauernhof.

OK. Polly fragte: Was sind denn das für Glotzfresser?

Die Kinder sagten: Du meinst die Kühe?

Und was sind Kühe?

Das sind Tiere, die Milch geben.

Sie gehen in den Melkraum. Polly fragte: Was sind denn das für Zapfdinger?

Das sind Melkbecher.

Für was sind die?

Damit melkt man die Kühe, damit kommt die Milch aus dem Euter.

Was ist denn das für ein Belljäger?

Die Kinder sagten, du meinst wohl den Hund.

Und was sind die Wollknäuel?

Das sind Schafe!

Als sie wieder gehen, sagt Polly: Ich habe ganz ganz viel gelernt. Es war sehr toll.

Emma Dusold, 9 Jahre


Das Gespenst

Der Wind heulte. Die Regentropfen platschten auf den Boden. Die Blätter flatterten im Wind und das alte Holzhaus mitten im Nichts knarzte unter dem Druck der Luft.

Lisa war bei dem Gewitter im Wald. Durch die sich biegenden Tannen sah sie die kleine Hütte. So fest wie sie konnte, drückte sie sich gegen die Tür. Endlich gab sie nach. Im Haus merkte Lisa etwas. Irgendetwas war faul. Als sie das Nachbarzimmer betrat, bemerkte sie einen Schatten: ein Gespenst. Lisa rannte so schnell sie konnte. Rannte durch das Haus. Sie hatte Angst. Sie wollte raus. Einfach nur raus.

Doch vor ihr lag ein Flur voller Türen. Und keine, keine sah aus wie die, aus der sie gekommen war.

Anni Häuser, 8 Jahre


Das Gruselschloss

Es war einmal ein Gruselschloss. Es war sehr, sehr alt und zwar 700 Jahre alt. Es war kaputt und voller Spinnweben und dadrin waren Leichen. Eines Tages machte eine dritte Klasse einen Ausflug dahin. Die Kinder freuten sich sehr auf diesen Ausflug, nur ein Kind freute sich nicht und es hieß Luke. Er hatte null Lust auf den Ausflug, aber sein Freund Johannes, der freute sich riesig auf den Ausflug. Luke ging nach Hause und sagte es seinen Eltern.

Die Eltern fragten Luke, wo es hin geht. Luke sagte: „Auf das Gruselschloss.“

Die Eltern erschraken.

Sie sagten: „Luke, da kannst du nicht mit hin!“

„Oh“, sagte Luke und ging auf sein Zimmer und freute sich riesig.

Luke Heise, 9 Jahre


Die Wasserwelt

Alles war voller Wasser. Alle hatten Taucheranzüge an. Da machte es plötzlich KRAWUCH und ein riesiger, fetter Hai platschte ins Wasser. Er war so groß, wie der gesamte Ozean. (Überflüssig zu erwähnen, dass er uns fast erdrückte.) Wir konnten uns gerade noch in eine Grotte retten. Da krachte ein großes Eisentor vom Eingang herunter. Zwei Meermänner schwammen davor umher, die gemein grinsten.

Einer sagte zum anderen: „Kutziwatsch maozi karüs kamsuschi klangta.“ Sie waren Ausländer.

Der eine schlenkerte einen Schlüssel herum und sagte: „Karuz matuschi!“ Was man, auch wenn man kein großer Übersetzungskünstler war, so übersetzen konnte: „Ihr bleibt jetzt hier drin!“

Einer von denen, die mit uns in der Bahn gewesen waren, zückte schnell eine Polaroidkamera und knipste ein Bild vom Schlüssel, das auch sofort erschien. Die Meermänner verschwanden, und sie freuten sich: „Huki putsch kätsch!“ (Was wahrscheinlich „dicker Fang“ bedeutete.)

Wir überlegten uns, was wir jetzt machen könnten. Da sagte der mit der Kamera: „Aber das ist doch ganz einfach, wir müssen nur pst tuschel wisper …“

Der Kameramann gab mir ein Stück Holz, das Bild vom Schlüssel und ein Schnitzmesser. Ich schnitzte drauf los. Nach kurzer Zeit hatte ich einen kleinen Holzschlüssel in der Hand, eine genaue Kopie des echten Schlüssels.

Schnell schloss ich auf und wir alle schwammen los ins Freie. Prustend und keuchend tauchten wir wieder auf. Wir rissen uns die Taucheranzüge vom Leib und waren heilfroh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Kurz darauf kam die Polizei. Sie tauchte mit U-Booten ins Meer und verhaftete die Meermänner.

Lotta Andres, 10 Jahre


Kurz vor Schluss: Gedichtgenuss

Nachmittags um drei

gibt es lecker Spiegelei.

Nachmittags um vier

stehn die Nachbarn vor der Tür.

Nachmittags um fünf

zieh ich mir an die Strümpf.

Nachmittags um sechs

verkleckere ich Klecks.

Nachmittags um sieben

fang ich an dich zu lieben.

Ida Löbrich, 9 Jahre

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