Wachsprech – Spielen, Sprechen und Schreiben rund um Spoken Word

Projektdaten:

  • Titel: Wachsprech - Spielen, Sprechen und Schreiben rund um Spoken Word
  • Bündnispartner 1: Haus für Poesie, Literaturbrücke Berlin e.V., Knaackstraße 97, 10435 Berlin
  • Bündnispartner 2: Max Beckmann Oberschule, Auguste-Viktoria-Allee 37, 13403 Berlin
  • Bündnispartner 3: Friedrich-Bödecker-Kreis im Land Berlin e.V., Weisestraße 50, 12049 Berlin
  • Autorenpate: Timo Brunke, geboren 1972 in Stuttgart. Frühe Beschäftigung mit Metrik und Versbau. Seit 1993 zahlreiche Soloprogramme für Kleinkunstbühnen und als Auftragsarbeiten für Kultureinrichtungen u.a.. Evang. Theologiestudium in Tübingen. Schauspielausbildung bei Frieder Nögge u. Wolfgang Wilmes. Sprechausbildung bei Heide Mende-Kurz. Mitglied der Liedermacherschule SAGO / Christof Stählin (1999 bis 2009). Auftritte und Workshops in Europa und Übersee. Gründete und veranstaltete den Stuttgarter Poetry Slam (1999 bis 2008). Umfangreiche Auftritts- und Vermittlungstätigkeit im deutschsprachigen Raum. Seit 2012 Dozent für Deutschlehrkräfte am Literaturpädagogischen Zentrum des Stuttgarter Literaturhauses. Seit 2016 Arbeit mit Orchestern als Konzertpoet. Vier Gedichtbände, zuletzt "Mitteleuropapperlapapp" (Satyr-Verlag 2023). Publiziert seit 2015 Praxisbücher für den Deutschunterricht (Friedrich Verlag Klett-Kallmeyer). Seit 2024 in der künstlerischen Leitung der Akademie für gesprochenes Wort Stuttgart. Verheiratet mit der Journalistin Angelika Brunke, zwei Söhne.
  • Zeitraum: 01.06.2025 - 01.12.2025
  • Format: Modul 2 (halbjährig)
  • Ort: Berlin
  • Bundesland: Berlin

Downloads zur Autorenpatenschaft

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Download des Buchs (PDF)

Inhalt des Buchs 

Projektbeschreibung

Textpraxis an zehn Terminen mit Aufführung am Ende
Mit Timo Brunke, Poet und freier Dozent (www.timobrunke.de)

Vor der Tür liegt ein Päckchen. Klarer Fall. Aber: für wen ist es und von wem?
Was ist drin? Warum wurde es verschickt? Ehrlich: Die wenigsten Dinge sind klar.
Das Meiste, was uns beschäftigt, spielt sich in unseren Köpfen ab.
Darum ist Texte machen eigentlich ein Experiment mit der Wirklichkeit.
Und das tun wir: Wir spielen uns durch die Sprache und ihre Möglichkeiten.
Wir erfinden eigene Welten im Silbentakt, verspielt wie Poesieprofis. Wir lassen Worte zu Musik werden, drehen Tatsachen in verschiedene Richtungen –und unser eigenes Ding.
Inhalte beschäftigen uns ebenso wie unterschiedliche Formen und Formate.
Zum Finale bauen wir gemeinsam ein abendfüllendes Spoken Word-Programm.
Das geht. Weil eigentlich, eigentlich ist der Kreis ein runder Strich ...

Vorkenntnisse sind prima, keine genauso.
Bitte bequeme Kleidung, Hausschuhe, Block und Stift mitbringen.

Bilder zur Autorenpatenschaft

© Andrea Vollmer, Timo Brunke

Texte der Autorenpatenschaft

(Eine) Frau sein

Jedes Spielfeld, eine Eigenschaft …,
für jede schlechte: eine Runde aussetzen
Egal ob Spiegelbild oder Spielfeld
es ist nur ein Blick, ein Rufen, egal ob Minirock
oder Burka, du bleibst eine Frau. 

Zwischen Selbstverständlichkeit und
Gleichberechtigung,
zwischen weiblicher Wut und Grenzen.
Du überläufst das Ziel, sitzt schlafend in der Bahn,
deine Augen flimmern, doch deine Fäuste
sind geballt. 

Jeder will dir sagen, wer du bist, wie du bist
zu kurz, zu lang, Wörter der Unterdrückung,
der Verurteilung, die wir uns zurückholten,
es sind nicht die Wörter, sondern die
Lippen, die sie aussprechen. 

Vergleich und die Ideale in den Dokus – solange
dich fremde Gedanken festhalten, wirst du
niemals den Start überqueren. 

Die Arme sind die Spielregeln,
die Spielfigur bist du,
eine Frau, nur eine Frau.

Sofia Beatrix Piques, 16

 

Spieglein, Spieglein an der Wand 

Spieglein, Spieglein an der Wand
wie bekomme ich meine Zukunft aus dem Sand?

Eine Schatzsuche!

Zuerst die Karte finden – ein Grund
angekettet am Schiff

wie wäre ein weißes Hemd
mit Kniebundhosen
eine Augenklappe für Ästhetik

Um die Welt gesegelt
An verschiedenen Orten
Alle haben ihren Schatz
Ich habe nichts außer Erinnerungen 

Hätte ich, statt Pirat sein, Goldgräber
sein müssen
oder ein Abenteurer

Hatte der Papagei
auf meiner Schulter Recht …

brauchte ich erst die Gegenwart
um überhaupt eine Zukunft zu haben.

Spieglein, Spieglein an der Wand
Wie nennt sich dieser wunderschöne Ort
im weit entfernten Land
Vergangenheit und Zukunft
Hand in Hand 

Çiçek Varli, 18

 

Anfangen

Eine Gabe
Eine Gabe die nicht jeder besitzt 

Ein Schritt
Trotz dass man es nicht will
Ein Schritt
Trotz Ungewissheit
Ein Schritt
Trotz keiner Aufmerksamkeit 

Wachsen wir wenn wir allein sind?
Oder wachsen wir wenn uns andere zuschauen? 

Entscheidest du über deinen nächsten Schritt?
Oder lässt du dich von äußeren Einflüssen beeinflussen?

Alle Züge die du gehst
Sind sie angepasst an die Umstände?
Sagst du dir
Ich fange morgen an 

Wann fängst du an?
Lässt du ein Tag vergehen
Einen zweiten
Einen dritten
Ein vierten
Fünften
Sechsten 

Bis du dein Ziel vergisst 

Willst du gewinnen?
Gewinnen für dich?
Oder für jemand anderes?

Machst du den Zug der dich nach vorn bringt?
Oder lässt du andere dich übertrumpfen?

Bleibst du stehen? 

Dilay Kottenkamp, 18


Das Leben – ein Spiel 

Das Leben – ein Spiel.
Eines ohne Sieger.
Kleine NPCs, die umherwandern wie Katzen,
ziellos und im Versuch, einfach zu überleben.
Mir scheint – das Leben ist durchzogen
von unausgesprochenem, schneidendem Verzweiflungsweh.
Wo jede Figur auf dem Brett
sich die Knochen bricht,
nur um weiter zu existieren.
Du wirst derjenige, der die Spielsteine führt
allein durch die Tatsache deiner Geburt.
Durch die Spezifik deiner Gene
wirst du zu dem, der setzt
auf das „Leben-als-Gewinn“.
Du versteckst den inneren Kampf,
die Welle der Emotionen, im Versuch, dich
auf den besten Platz im Saal zu setzen.
In einem riesigen Tauch- und Badehaus-Saal,
in dem alle „Ichs“ der Menschen stehen.
Auf die du setzen kannst,
um deinen Gewinn zu ziehen.
Die Augen schließend
vor Moral, Mitgefühl und jedem empathischen Zittern,
sitzt du in diesem badenden, krematorischen Saal,
über dem sich ein Rohr erhebt.
Ein Rohr.
Ein Rohr?
Warum es?
Warum gerade ein Rohr?
Ein Schornstein.
Aus dem
hinausfliegen wird
Deine Seele. 

Valeriia Kokorina, 18

 

 

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