Fight & Write – Selbstverteidigung und Kreatives Schreiben

Projektdaten:

  • Titel: Fight & Write - Selbstverteidigung und Kreatives Schreiben
  • Bündnispartner 1: Anne-Frank-Gesamtschule Düren, Kupfermühle 3, 52353 Düren
  • Bündnispartner 2: KOMM Jugend- und Kulturzentrum Düren e.V., August-Klotz-Straße 21, 52349 Düren
  • Bündnispartner 3: Friedrich-Bödecker-Kreis in Nordrhein-Westfalen e.V., Wülfrather Straße 2, 42579 Heiligenhaus
  • Autorenpate: Christian Linker, geboren 1975 in Leverkusen, schreibt Romane für Jugendliche und junge Erwachsene. Sein Debüt RAUMZEIT war 2003 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert, DER SCHUSS erhielt 2018 den Buchpreis „Goldene Leslie“. Die jungen (Anti-)Held*innen seiner Bücher suchen ihren eigenen Weg im Leben zwischen Rebellion & Anpassung, Vernunft & Leidenschaft, Fantasie & harter Realität.
  • Zeitraum: 07.10.2025 - 10.10.2025
  • Format: Modul 5 (Kompaktmodul ohne Übernachtung)
  • Ort: Duisburg
  • Bundesland: Nordrhein-Westfalen

Downloads und Presselinks zur Autorenpatenschaft

Für diese Maßnahme ist auf Grund der kurzen Dauer keine Publikation vorgesehen. Texte und Bilder des Projektes finden Sie weiter unten.

Projektbeschreibung

„Fight & Write“ verbindet Selbstverteidigung und Kreatives Schreiben zu einem ganzheitlichen Arbeitsprozess. In einem lebendigen Wechsel von körperlichen Übungen, Reflexion und Schreibsessions entdecken und erweitern die Teilnehmenden ihre körperlichen und sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten, setzen Grenzen, bewältigen Probleme, vertrauen sich anderen an und machen mit allen Sinnen eine Erfahrung von Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit.

Die körperorientierten Übungen thematisieren das Setzen von Grenzen, Umgang mit Mobbing, Konflikte auf dem Schulweg sowie auf dem Schulhof aber auch Grenzverletzungen durch Erwachsene.

Die Schreibübungen greifen diese Impulse auf und führen sie fort:
• Identität - wer bin ich, was macht mich aus? Meine Träume, Ängste, Talente?
• Freundschaft, Familie, Herkunft, Geborgenheit
• Zukunft, Potenziale, Wege, Möglichkeiten von Teilhabe

Bilder zur Autorenpatenschaft

Texte der Autorenpatenschaft

Nix weiter

Als Amir zwölf wurde, bekam er von seiner Mutter ein kleines altes Handy geschenkt. Es war nichts Besonderes; ein einfaches Tastenhandy, ohne Internet, ohne Kamera. Aber für Amir war es das Schönste, was er je bekommen hatte. „Damit kannst du mich immer anrufen, wenn du Hilfe brauchst“, sagte seine Mutter und lächelte stolz. Amir wollte seine Familie stolz machen. Sein Vater arbeitete Tag und Nacht auf dem Bau und seine Mutter putzte Treppenhäuser, um die Miete zu bezahlen. Er wusste, dass sie es schwer hatten, und er wollte ihnen etwas zurückgeben, irgendwann.
Einmal, mit vierzehn, lernte Amir auf dem Schulhof ein paar ältere Jungs kennen. Sie trugen teure Jacken, hatten neue Handys und redeten großspurig. Einer von ihnen, Karim, sagte: „Wenn du wirklich was für deine Familie tun willst, musst du lernen, wie das Leben
läuft.“
Bald drückte ihm Karim ein kleines Tütchen in die Hand. „Nur das hier abgeben, nix weiter“, flüsterte er. Amir zögerte. Doch dann dachte er an seine Mutter, an den kaputten Kühlschrank zu Hause und an die vielen Dinge, die sie sich nie leisten konnten.
So fing es an. Mit seinem kleinen Handy bekam er Nachrichten, wo er hingehen sollte. Lieferung um fünf, neuer Kunde, saubere Ware. Er verstand bald, dass es kein Spiel mehr war. Aber das Geld kam schnell und die Sorgen seiner Familie schienen kleiner zu werden.
Eines Abends, als er gerade nach Hause wollte, sah er seine Mutter am Fenster. Sie sah ihn an, lange und traurig, als hätte sie alles verstanden. Sie sagte nichts. Und genau das tat am meisten weh.
Ein paar Wochen später kam die Polizei. Ein anderer Junge hatte alles verraten. Amir wurde nicht lange festgehalten, weil er noch minderjährig war. Aber als er nach Hause kam, stand sein Handy auf dem Küchentisch - zerbrochen. Seine Mutter hatte es stillschweigend kaputtgemacht. Von da an schwor er sich, nie wieder etwas zu tun, das sie enttäuschen würde. Er fing an, in der Schule aufzupassen, machte später eine Ausbildung. Das kleine Handy blieb in seiner Erinnerung als Zeichen dafür, wie leicht man sich verirren kann, wenn man zu schnell groß werden will.

Von Ouail

Aufwachen

,,Sie wacht auf!‘‘, brüllten meine Kollegen über den Flur. Ich wunderte mich, was los war, warum liege ich im Krankenbett, und wie bin ich hier hingekommen? Also fragte ich meine Kollegen, was los war.
Sie antworteten mir erst nicht. Als sie es mir sagten, musste ich mich in die letzten drei Wochen zurückversetzen, was überhaupt dazu geführt hat.
Alles war normal, es war ein ganz normaler Tag, ich machte mein Frühstück für die Arbeit und fuhr um 6:00 Uhr los zur Arbeit. Ich behandelte wie immer meine Patienten.
Frau Meier geht es schon wieder schlechter, sie hatte sich eigentlich gut gemacht, aber ich glaube, es wird nichts mit ihr, also schickte ich sie heute wieder nach Hause. Ich musste schon die ganze Woche Überstunden machen, heute auch, aber daran war ich ja schon gewöhnt, also nichts neues. Der Chefarzt war heute wieder nicht da, anscheinend ist sein Sohn an Grippe erkrankt, das erinnert mich an den Tag, wo ich tot krank war und trotzdem zur Arbeit kommen musste. Aber was soll ich schon machen.
Alles war gut an dem Tag, außer dass ich nach Hause gekommen bin und nichts mehr gemacht habe, außer zu schlafen. Am nächsten Tag war es eigentlich das gleiche und auch an dem nächsten und am nächsten … Ich weiß gar nicht mehr, was ich das Wochenende gemacht habe. Ah, doch, am Wochenende kam meine Familie zum Essen.
Also mein Vater, meine Tanten und Cousinen, Cousins. Ich machte viel Essen, weiß aber nicht mehr, was es gab, es war eine schöne Zeit. Meine Mutter? Sie ist gestorben, als ich noch jung war. Wir wussten gar nicht, was sie hatte, sie wurde einfach plötzlich krank, sie hatte nicht mehr lange.
Die Zeit, die wir noch hatten, war schön aber kurz. Ich vermisse sie sehr. Deshalb wollte ich Ärztin werden, weil ich Menschen helfen wollte. Aber ich wusste nicht, dass es noch so wenige Menschen gibt, die auch so denken. Eigentlich hatte ich mir die ganze Zeit nur gewünscht, dass ich sie noch einmal in meinem Leben sehen könnte. Ihr sagen könnte, was sie für eine gute Mutter war.
In der nächsten Woche merkte ich schon, dass es mir schlechter geht, aber ich wusste nicht, woher. Ich war nicht krank, nur erschöpft, aber das war doch normal, dachte ich. Ich dachte, es wäre alles gut, dass ich nur mal wieder einen Urlaub brauche. Ich hatte mir schon das ganze Jahr keinen genommen, weil es den Patienten so schlecht ging. Ich hatte kurz überlegt, ob ich mich nicht krankschreiben lassen soll. Aber den Gedanken habe ich schnell wieder verworfen.
Das Wochenende habe ich auch nichts gemacht, meine Freunde hatten keine Zeit. Eigentlich haben sie immer Zeit aber ausgerechnet an dem Wochenende nicht, das hat mich ein bisschen frustriert, aber nichts Schlimmes. Ich war dann einfach alleine im Wald spazieren, die Natur ist schön gewesen, aber der ganze Wald ist schon wieder mit Müll voll.
Die letzte Woche. Ich versuchte mich wieder zu erinnern, warum es mir so schlecht geht. Also, alles war eigentlich wieder wie immer. Ging zur Arbeit und zur Arbeit und wieder zur Arbeit …
Hab ich eigentlich irgendwas anderes gemacht? Nein habe ich nicht, und ich erinnere mich gerade an eine Operation, die ich ausgeführt habe. Ich kannte die Patientin gut, die OP lief natürlich wie geplant gut, aber mir war immer so schwindelig, und ich konnte kaum das Skalpell halten, aber es ging noch, das war auch die letzte OP an diesem Tag.
Also habe ich mich durchgekämpft, das war gestern. Ich dachte, heute, mit etwas mehr Schlaf, würde es gehen, aber anscheinend nicht, denn meine Kollegen erzählten mir eben, dass ich im OP umgekippt wäre, bewusstlos geworden wäre und ich reanimiert werden musste, wie kann das sein, was hat dazu geführt, ich war ja nicht krank. Als ich hochblickte zur Tür sah ich plötzlich wie mein Vater spawnt.

Gedanken des Vaters
Ich saß auf meinem Bett. Auf einmal klingelte mein Handy, ich sah die Nummer vom Krankenhaus. Ich bekam leicht Panik, aber ich ging trotzdem dran. Eine Ärztin sagte mir, dass es meiner Tochter nicht gut ging und ich bitte zum Krankenhaus kommen solle.
Ich habe mich sofort auf den Weg gemacht. Angekommen im Krankenhaus, erklärte mir die Ärztin, was passiert sei.
Meine Tochter hat Tag und Nacht gearbeitet, und sie hat sich zu überlastet, und sie ist im OP umgekippt, und sie mussten sie reanimieren. Ich ging zu meiner Tochter. Als ich im Zimmer ankam, war sie wieder bei Bewusstsein. Ich fragte sie, was passiert sei, und sie erklärte mir, dass sie selber nicht wüsste, woran es lag. Sie kann es sich nicht wahr haben, dass sie vielleicht zu viel gearbeitet hat.

Von Mara & Jamie

Verlorene Zeit

Daniel Kaya, 21, lebte in einem Randbezirk von Frankfurt. Schon als Kind wollte er schnell Geld verdienen. Teure Autos, Markenklamotten, schnelles Leben. Das war sein Traum.
Seine engsten Freunde waren Marcelo, Jonas und Emin. Sie waren wie Brüder für ihn, egal was passierte, sie standen zusammen. Andere Leute waren für Daniel oft nur nebensächlich, unwichtig. Mit seinen Freunden fühlte er sich stark, unbesiegbar. Am Anfang machten sie nur kleine Sachen, alte Autos reparieren und verkaufen, kleine Diebstähle oder nächtliche Abenteuer. Daniel war der Anführer – manchmal herrisch, manchmal egoistisch, und er ließ keinen Zweifel daran, dass er die anderen für schwächer hielt. Emin schwieg meist, fühlte sich aber innerlich unwohl.
Eines Tages entschied Daniel, einen größeren Plan zu wagen. Doch es ging schief, Emin wurde erwischt und landete im Gefängnis. Daniel saß zu Hause und redete sich ein: „Ich habe nichts falsch gemacht! Ich verdiene nur Geld.“
In dieser Nacht träumte er von einer Warnung. Es war dunkel und still; er allein mit seinen Entscheidungen. Plötzlich kam ihm ein Gedanke: Wer den richtigen Weg wählt, bekommt einen Ausweg.
Daniel spürte kurz Unruhe, doch sein Ehrgeiz war stärker. Zusammen mit seinen Freunden begann er den größten Plan ihres Lebens. Das Risiko war hoch gefährlich, aber alle vier arbeiteten wie Brüder zusammen. Trotzdem ging Daniel weiterhin nachlässig vor, betrachtete die Außenwelt verächtlich. Mitten in der Aktion passierte ein Fehler. Daniel wurde schwer verletzt, seine Freunde standen hilflos daneben. Als er langsam das Bewusstsein zurückgewann, wurde ihm alles klar: sein Ego, seine Blicke auf andere herab, dass er seine Freunde in Gefahr gebracht hatte, Emin im Gefängnis. Alles war vergeblich.
In seinen letzten Momenten schaute Daniel zum Himmel dachte nach und bereute alles.
„Ich habe alles verstanden, aber es ist zu spät.“
Seine Geschichte wurde für die Jugendlichen im Viertel zu einer Lehre. Kleine Vergehen und Egoismus mögen kurzfristig aufregend sein, aber am Ende zahlen sie einen hohen Preis. Wahre Werte sind Gewissen, Freundschaft und Respekt.

Von Burak

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