Slam Poetry
Projektdaten:
- Titel: Slam Poetry
- Bündnispartner 1: Saarländisches Künstlerhaus e.V., Karlstraße 1, 66111 Saarbrücken
- Bündnispartner 2: Gemeinschaftsschule Bruchwiese, Sachsenweg 10, 66121 Saarbrücken
- Bündnispartner 3: Friedrich-Bödecker-Kreis in Saarland e.V., Saarländisches Künstlerhaus, Karlstraße 1, 66111 Saarbrücken
- Autorenpate: Mark Heydrich wurde 1977 in Zweibrücken geboren. Nach einer Maler- und Lackiererlehre sowie einem Studium der Freien Kunst/Mixed Media an der HBK Saar in Saarbrücken, ist Heydrich seit 1993 literarisch tätig und hat seit 1998 mehr als 1000 Lesungen und Poetry Slams in ganz Deutschland absolviert. 2009 wurde ihm das Förderstipendium der Stadt Saarbrücken für Literatur verliehen. Seither ist er für zahlreiche Institutionen im Saarland tätig, ist in den Vorständen des Saarländischen Schriftstellerverbandes und des Friedrich-Bödecker-Kreis Saarland e.V. aktiv und gibt Workshops für Poetry Slam, als auch Kurse für kreatives Schreiben. Mark Heydrich lebt in Saarbrücken.
- Zeitraum: 01.04.2025 - 31.12.2025
- Format: Modul 1 (ganzjährig)
- Ort: Saarbrücken
- Bundesland: Saarland
Downloads zur Autorenpatenschaft
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Download des Buchs (PDF)
Projektbeschreibung
Unsere Schreibwerkstatt 2025 befasst mit dem Literaturformat Poetry Slam.
Als Poetry-Slam bezeichnet man einen Dichterwettstreit, bei dem selbstverfasste Texte innerhalb einer bestimmten Zeit vorgetragen oder besser „performt“ werden. Den Sieger des Wettbewerbs kürt allein das Publikum.
Die Veranstaltungsform entstand Ende der Achtziger Jahre in den U.S.A. und verbreitete sich in den 1990er Jahren weltweit, vor allem in Deutschland. Heute besitzt Deutschland die aktivste und größte Poetry Slam Szene weltweit.
Als Slam Poetry bezeichnen sich Texte, die ausschließlich für Poetry Slams verfasst sind. Sie sind in Szene gesetzte Poesie und inhaltlich als auch stilistisch vielfältig. Sie sollen den jeweiligen Zuschauer und Zuhörer mitreißen.
Durch den performativen Ansatz, die knappe, komprimierte Form der Texte, was dem stets vorgegebenen Zeitlimit von 5 bis 7 Minuten geschuldet ist, sind sie eingänglich, leicht zu konsumieren und unmittelbar. Man kann sich spontan damit identifizieren und oftmals sprechen die Texte die Sprache des Publikums, im Hinblick auf den Altersdurchschnitt der Zuschauer.
Bilder zur Autorenpatenschaft
© Thomas Roessler
Texte der Autorenpatenschaft
Sklave
Ich liege in Ketten. Metaphorische Ketten, natürlich, die ich mir selbst
angelegt habe, natürlich. Es ist meine Schuld, natürlich, meine ganz
allein, natürlich. Wessen sonst? Ich bin ein Gefangener meiner Selbst,
natürlich. Und ich sitze auf der Kante meines Bettes, während meine
Sicht unscharf wird und verschwimmt, mein Kopf leer, während ich
dem Nichts lausche und meine, ein Geräusch zu vernehmen. Doch
es sind nur die Ketten, die ich rasseln und klappern höre, natürlich.
Den Schlüssel halte ich in der Hand, ich weiß nicht mehr, wie man ihn
benutzt. Viel zu oft rammte ich ihn entschieden in das Schlüsselloch,
doch nie drehte ich bis zum Anschlag. Ich konnte nicht. Er war zu
schwer. Schwerer als die Ketten. Natürlich. Mein Kopf dreht sich, er
ist zu schnell, angespornt und erregt durch das endlose Dopamin, das fließt und fließt und fließt, denn ich bin abhängig, natürlich. Und ich
kann nichts dagegen tun. Die Ketten sind schwer, natürlich. Ich habe
sie mir selbst angelegt, natürlich. Ich kann sie aufschließen, natürlich.
Aber ich weiß nicht, wie. Ich habe das Denken verlernt. Den ganzen
langen Tag tue ich nichts. 24 Stunden lang tue ich nichts. Woche für
Woche, Monat für Monat. Jahr für Jahr. Ich fühle den Sand, der durch
meine Finger rinnt, während ich wertvolle Stunden meines Lebens
hoffnungslos verschwende. Ich werde sterben, ohne die Dinge getan
zu haben, die ich liebe. Denn ich bin abhängig, natürlich. Ich weiß es.
Die Ketten sind schwer und sie halten mich zurück und der Sand, er
fließt und fließt und fließt, wie das Dopamin durch meine Adern und
ich kann nicht aufhören. Denn ich bin abhängig, natürlich. Und ich
weiß es, natürlich. Die Ketten rasseln, wenn ich nach draußen gehe, sie
rasseln, wie viele andere Ketten auch, ich kann sie hören, obwohl ich
sie nicht sehen kann. Ich bin nicht der Einzige, der seine Lebenszeit
verschwendet, weil er abhängig ist und nichts anderes tun will. Nichts
anderes tun, natürlich. Denn ich bin abhängig, natürlich. Wenigstens
weiß ich es. Die Ketten hängen schwer von meinen Händen, als sie
den kleinen Kasten umklammern, und als ich ihn in meine Tasche
fallen lasse, liegt es schwer dort, zusammen mit den Ketten. Natürlich.
So muss es sich anfühlen, sich an den Teufel verkauft zu haben.
Wenn du nichts anderes mehr tun kannst, als den Sand verrinnen zu
lassen, natürlich. Und den Schlüssel, den du umklammert hältst, aber
nie benutzt, natürlich. Du bist wie ich. Abhängig, natürlich.
Lilien
»Kannst du mir versprechen mit dem Rauchen aufzuhören?«
Ein Kind, dein wichtigster Teil des Lebens, bittet dich darum. Und trotzdem, obwohl das dein Licht ist in all der Dunkelheit, kannst du es nicht mehr zum Strahlen bringen. Deine Sucht nach Nikotin vernebelt dir das Strahlen deines Lichtes. Die Erfüllung dieses Wunsches würde es so mehr strahlen lassen, doch trotzdem kannst du es nicht. Menschen sind Egoisten, wir wollen unsere Bedürfnisse über alles stellen und sehen nicht, wie sehr wir damit unser Licht zum Erlöschen bringen. Wir denken, unser Licht ist unser Bedürfnis, dabei ist es ein Mensch, der auch nur ein Egoist ist. Doch trotzdem ist das Licht egoistisch genug, um danach zu bitten, deine Bedürfnisse zu ignorieren. Dieses Bedürfnis ist jedoch nicht lebenswichtig, man hat es sich selbst zum Bedürfnis gemacht, um den Stress, die Dunkelheit etwas zu vergessen, zu vernebeln. So sieht man nicht die Dunkelheit, doch auch nicht das Licht, das man braucht zum Leben. Ohne Licht gäbe es keinen Sinn zum Leben, zu genießen die Strahlen des Lebens. Also wieso hörst du nicht auf das Licht?
Nun, ganz einfach, weil du und weil es Egoisten sind und beide nicht ihre Bedürfnisse aufgeben wollen und werden. Es ist ein Kreis, doch alles, was der Kreis ist, ist die reine Dunkelheit, die dem Licht und den Strahlen hinterherjagt.
»Das war damals auch noch so«, lachend. Damals, viele Menschen denken, dass das Damals so viel besser ist. Damals, was ist eigentlich Damals? Vor einem Jahr, vor einem Jahrzehnt oder noch in den 90’s, egal, welches man damit auch meint. Damals war alles besser, die Preise waren günstiger, man hatte eine bessere Rente, man konnte mehr in den Urlaub. Naja, das war zumindest etwas positives, aber das Damals hatte auch viele schlechte Dinge. Man hatte allgemein weniger Geld, die Gesundheitsforschung war schlechter, man konnte nicht sagen, was man will. Und jetzt beschweren sich Leute darüber, dass früher besser war, was ist aber mit der Zeit, in der man kaum Geld hatte? Das ist auch Damals, ist das besser? Menschen erinnern sich gerne immer an früher und denken an ihre tollen Erinnerungen von früher, doch Menschen verdrängen gerne Dinge. Früher war es günstiger, aber da hast du auch weniger verdient, konntest nicht einfach in einen Zug steigen und einfach wo hin. Und jetzt bist du unzufrieden damit, anstatt Dankbarkeit zu zeigen. Was du auch unterdrückst, konntest du früher als homosexuelles Paar überall hin? Nein! Menschen haben euch beschimpft oder verprügelt, und doch sagt ihr, Damals war alles besser. Ihr musstet euch verstecken und doch war es Damals besser.
Diese eigene Unterdrückung, einfach, um sich wohlhabend zu fühlen. Das ist es, dieses Reichsein, der egoistische Gedanke, besser zu sein, mehr zu haben. Menschen wollen immer mehr, und doch, damals wollte man schon mehr, und damals war es damals besser. Nie zufrieden mit dem, was der Mensch hat. So sind sie, Menschen, gierig und egoistisch.
Zoe

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